Der schlimmste Haiangriff der Geschichte traf keinen Badegast und keinen Surfer. Am 30. Juli 1945 versenkte ein japanisches U-Boot den amerikanischen Kreuzer USS Indianapolis im Pazifik. Rund 900 Männer überlebten die Explosion und trieben vier Tage lang im offenen Meer — gerettet wurden am Ende 316. Wie viele von ihnen tatsächlich durch Haie starben, ist bis heute umstritten.
Dieser Artikel stellt die zehn schlimmsten Haiangriffe der Geschichte vor — vom Schiffsuntergang mit Hunderten Toten bis zur Angriffsserie, die eine ganze Urlaubsregion veränderte. Und er trennt dabei die belegten Zahlen von dem, was seit Jahrzehnten nur weitererzählt wird.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Die 10 schlimmsten Haiangriffe der Geschichte im Überblick
- 2 Der schlimmste Haiangriff der Welt: die USS Indianapolis
- 3 Warum die berühmte Zahl 150 mit Vorsicht zu genießen ist
- 4 New Jersey 1916: der Angriff hinter „Der weiße Hai“
- 5 Recife und Réunion: wenn eine Küste zur Gefahrenzone wird
- 6 Haiangriffe in Ägypten häufen sich am Roten Meer
- 7 Australien führt die Statistik der tödlichen Angriffe an
- 8 Haiangriffe im Mittelmeer bleiben die große Ausnahme
- 9 So viele Haiangriffe gibt es wirklich pro Jahr
- 10 Was die schlimmsten Haiangriffe gemeinsam haben
- 11 Häufige Fragen zu Haiangriffen
- 12 Fazit
Die 10 schlimmsten Haiangriffe der Geschichte im Überblick
Die Liste enthält bewusst zwei Arten von Ereignissen: einzelne Katastrophen mit vielen Opfern auf einmal und Angriffsserien, die sich über Jahre zogen. Beide gehören zu den schlimmsten Haiangriffen, die dokumentiert sind — sie unterscheiden sich nur in der Zeitspanne.
| Jahr | Ort | Opfer | Beteiligte Haiart |
|---|---|---|---|
| 1945 | USS Indianapolis, Pazifik | Schätzungen: einige Dutzend bis über 150 | Weißspitzen-Hochseehai |
| 1942 | SS Nova Scotia, vor Südafrika | 858 Tote insgesamt | Weißspitzen-Hochseehai |
| 1992–2021 | Recife, Brasilien | 25 Tote bei rund 62 Angriffen | Bullenhai, Tigerhai |
| 2011–2019 | Réunion, Indischer Ozean | 11 Tote bei 30 Angriffen | Bullenhai, Tigerhai |
| 1916 | New Jersey, USA | 4 Tote in 12 Tagen | umstritten: Weißer Hai oder Bullenhai |
| 2010 | Sharm el-Sheikh, Ägypten | 1 Tote, 5 Verletzte in wenigen Tagen | Weißspitzen-Hochseehai, Makohai |
| 2022 | Sahl Hasheesh, Ägypten | 2 Tote an einem Tag | Tigerhai |
| 2023 | Hurghada, Ägypten | 1 Toter | Tigerhai |
| 2024 | Marsa Alam, Ägypten | 1 Toter, 1 Verletzter | nicht sicher bestimmt |
| 2025 | Australien | 5 Tote in einem Jahr | Weißer Hai |
Der schlimmste Haiangriff der Welt: die USS Indianapolis
Die USS Indianapolis hatte kurz zuvor Bauteile der Atombombe nach Tinian gebracht, als sie auf dem Weg zu den Philippinen von zwei Torpedos getroffen wurde. Das Schiff sank in zwölf Minuten. Von 1.195 Mann Besatzung starben rund 300 sofort, die übrigen etwa 900 trieben ohne ausreichende Rettungsinseln im warmen Pazifikwasser.
Weil kein Notruf ankam, bemerkte niemand das Fehlen des Schiffes. Erst am vierten Tag entdeckte ein Aufklärungsflugzeug die Männer zufällig. Bis dahin waren Hunderte an Erschöpfung, Unterkühlung, Salzwasservergiftung und ihren Verletzungen gestorben — und Haie hatten sich in großer Zahl eingefunden.
Überlebende beschrieben Tiere, die sich dicht unter der Wasseroberfläche hielten und einzelne Männer aus der Gruppe herauslösten. Das Verhalten und der Ort sprechen für den Weißspitzen-Hochseehai, eine hochseetypische Art, die tagelang bei treibenden Objekten ausharren kann. Einzelne Angriffe könnten auch auf Tigerhaie zurückgehen.
Warum die berühmte Zahl 150 mit Vorsicht zu genießen ist
In fast jeder Erzählung über die USS Indianapolis steht dieselbe Zahl: Über 150 Männer seien von Haien gefressen worden. Belegt ist sie nicht. Insgesamt starben 879 Besatzungsmitglieder, doch die Todesursachen lassen sich nicht sauber trennen — wer an Durst oder Unterkühlung starb, wurde anschließend häufig ebenfalls von Haien gefressen.
Genau darauf weist auch National Geographic hin: Die Haie hätten überwiegend bereits Tote und Sterbende gefressen, nicht Hunderte gesunde Schwimmer gerissen. Das macht die Katastrophe nicht kleiner — es verschiebt nur die Ursache. Gestorben sind die meisten Männer daran, dass vier Tage lang niemand nach ihnen suchte.
Ein ähnlicher Fall ist die SS Nova Scotia, die 1942 vor der südafrikanischen Küste torpediert wurde. 858 der rund 1.000 Menschen an Bord starben, viele davon nach dem Untergang im Wasser. Auch hier gilt: Der Anteil, der auf Haie entfällt, wurde nie ermittelt.
New Jersey 1916: der Angriff hinter „Der weiße Hai“
Im Juli 1916 starben an der Küste von New Jersey innerhalb von zwölf Tagen vier Menschen, ein weiterer wurde schwer verletzt. Zwei der Angriffe passierten an einem ungewöhnlichen Ort: im Matawan Creek, einem Süßwasserlauf mehrere Kilometer landeinwärts. Dort starben der elfjährige Lester Stillwell und Stanley Fisher, der ihn retten wollte, innerhalb einer Stunde.
Welche Art dafür verantwortlich war, ist bis heute strittig. Traditionell wird ein Weißer Hai genannt, der zwei Tage später gefangen wurde. Mehrere Biologen halten dagegen einen Bullenhai für wahrscheinlicher — er ist die einzige große Haiart, die problemlos in Süßwasser eindringt. Die Ereignisse gelten als eine der Vorlagen für den Roman und den Film „Der weiße Hai“.
Recife und Réunion: wenn eine Küste zur Gefahrenzone wird
Vor der brasilianischen Küste bei Recife gab es bis 1992 praktisch keine Haiangriffe. Dann begann eine Serie, die bis heute anhält: Zwischen 1992 und 2021 wurden rund 62 Angriffe mit 25 Todesopfern gezählt. Als Auslöser gilt der Bau des Hafens Suape, der einen Flussmündungsbereich veränderte und Bullen- sowie Tigerhaie näher an die Badestrände brachte.
Auf der Insel Réunion wiederholte sich das Muster ab 2011. Bis 2019 kam es dort zu 30 Angriffen, elf davon tödlich — bei einer Bevölkerung von unter einer Million Menschen. Betroffen waren fast ausschließlich Surfer. Die Insel verhängte zeitweise ein Badeverbot, das große Teile der Küste umfasste.
Haiangriffe in Ägypten häufen sich am Roten Meer
Für deutschsprachige Urlauber ist Ägypten die Region mit der größten praktischen Relevanz. Im Dezember 2010 wurden vor Sharm el-Sheikh innerhalb weniger Tage fünf Menschen verletzt und eine deutsche Touristin getötet. Untersuchungen führten das auf über Bord geworfene Schafskadaver und nahe gelegene Fischzuchten zurück, die Hochseehaie ungewöhnlich dicht an die Küste lockten.
Am 3. Juli 2022 starben bei Sahl Hasheesh südlich von Hurghada zwei Frauen — eine Österreicherin und eine Rumänin — innerhalb weniger Stunden und nur rund 600 Meter voneinander entfernt. Im Juni 2023 tötete ein Tigerhai einen 23-jährigen Mann vor Hurghada, sechs Meter vom Strand entfernt und vor zahlreichen Zeugen. Im Dezember 2024 kam ein italienischer Tourist vor Marsa Alam ums Leben.
Seit dem Jahr 2000 sind in Ägypten rund acht tödliche Haiangriffe dokumentiert. Gemessen an mehreren Millionen Badegästen pro Jahr bleibt das Risiko sehr gering — auffällig ist aber, dass die Vorfälle sich seit 2022 verdichten und fast immer außerhalb der gesicherten Badezonen stattfanden.
Australien führt die Statistik der tödlichen Angriffe an
Das Jahr 2025 war für Australien ungewöhnlich: 21 unprovozierte Haibisse standen fünf Todesfällen gegenüber. Damit entfielen auf ein einziges Land 56 Prozent aller tödlichen Fälle weltweit, obwohl es nur rund ein Drittel der Bisse verzeichnete. Alle fünf tödlichen Angriffe gingen auf Weiße Haie zurück.
Zum Vergleich: In den USA gab es im selben Jahr 25 Bisse, aber nur einen Todesfall — Florida allein kam auf elf Vorfälle, fast alle harmlos. Der Unterschied liegt an der Haiart. Wo hauptsächlich kleinere Küstenhaie zubeißen, überleben die Opfer; wo Weiße Haie Surfer angreifen, endet es deutlich häufiger tödlich.
Haiangriffe im Mittelmeer bleiben die große Ausnahme
Im gesamten Mittelmeer sind seit 1900 weniger als 50 unprovozierte Zwischenfälle mit Verletzten dokumentiert — verteilt auf über 120 Jahre und mehr als zwanzig Anrainerstaaten. In der Adria wurden seit 1868 elf tödliche Angriffe registriert. Ein Hotspot wie Florida verzeichnet in einem einzigen Jahr mehr Vorfälle als das Mittelmeer in einem Jahrzehnt.
Der Grund ist der Bestand: Die meisten Haie im Mittelmeer sind klein, scheu und halten sich von flachen Badebuchten fern. Große Arten wie der Weiße Hai kommen vor, sind dort aber selten geworden.
So viele Haiangriffe gibt es wirklich pro Jahr
Die verlässlichste Quelle ist das International Shark Attack File des Florida Museum of Natural History. Für 2025 verzeichnet es weltweit 65 unprovozierte Haibisse und neun Todesfälle. Rechnet man provozierte Zwischenfälle hinzu — etwa beim Angeln oder beim Versuch, ein Tier anzufassen — steigt die Zahl der Todesfälle auf zwölf.
Der Zehnjahresschnitt liegt bei rund 72 Bissen und sechs Todesfällen pro Jahr. Die Zahl der Bisse war 2025 also unterdurchschnittlich, die der Todesfälle dagegen deutlich erhöht — vor allem wegen Australien. Ob das ein Trend ist oder ein statistischer Ausreißer, lässt sich nach einem einzelnen Jahr nicht sagen.
Diese Größenordnung ist der eigentliche Kontrast zur Liste oben: In den vier Tagen nach dem Untergang der USS Indianapolis starben durch Haie vermutlich mehr Menschen als in einem ganzen Jahrzehnt weltweit.
Was die schlimmsten Haiangriffe gemeinsam haben
Kein einziger Fall auf dieser Liste war ein Hai, der Jagd auf Menschen machte. In fast allen Fällen kamen mehrere Faktoren zusammen: hilflose Menschen im offenen Wasser über Tage, ein verändertes Ökosystem wie in Recife, oder Futterquellen wie vor Sharm el-Sheikh, die Hochseehaie in Küstennähe zogen.
- Schiffskatastrophen — Menschen treiben tagelang ungeschützt im Wasser
- Veränderte Lebensräume — Hafenbauten und Fischzuchten verschieben Jagdgebiete
- Anfütterung — Abfälle und Kadaver locken Arten an, die sonst weit draußen bleiben
- Ungesicherte Zonen — die tödlichen Fälle in Ägypten passierten außerhalb der Badebereiche
Häufige Fragen zu Haiangriffen
Wie viele Haiangriffe pro Jahr gibt es?
Weltweit werden im Schnitt rund 72 unprovozierte Haibisse pro Jahr registriert, davon enden etwa sechs tödlich. Das ist der Zehnjahresdurchschnitt des International Shark Attack File.
Wie viele Haiangriffe gab es 2025?
2025 gab es 65 unprovozierte Haibisse weltweit mit neun Todesfällen. Zählt man provozierte Zwischenfälle mit, waren es zwölf Todesfälle. Australien stellte allein fünf davon.
Warum so viele Haiangriffe in Ägypten?
Das Rote Meer fällt küstennah steil ab, sodass Hochseehaie ungewöhnlich nah an die Strände kommen. Dazu kommen Anfütterung durch Tauchboote, Abfälle von Schiffen und Fischzuchten. Fast alle tödlichen Fälle ereigneten sich außerhalb gesicherter Badezonen.
Was ist wahrscheinlicher: Haiangriff oder Flugzeugabsturz?
Beides ist extrem unwahrscheinlich, ein tödlicher Haiangriff aber noch seltener. Bei etwa sechs Todesopfern pro Jahr weltweit sterben mehr Menschen durch Blitzschläge, Bienenstiche oder Badeunfälle ohne jede Hai-Beteiligung.
Wo gibt es Haiangriffe?
Die meisten Zwischenfälle passieren in den USA (vor allem Florida) und in Australien, gefolgt von Südafrika, Brasilien und Réunion. In Europa sind Angriffe sehr selten, im Mittelmeer seit 1900 weniger als 50 dokumentiert.
Warum immer mehr Haiangriffe?
Die absolute Zahl steigt langfristig kaum — die Zahl der Menschen im Wasser aber schon. Mehr Küstentourismus, mehr Surfer und bessere Meldewege führen dazu, dass mehr Fälle erfasst werden. Regional kann es echte Häufungen geben, etwa durch Eingriffe in den Lebensraum.
Fazit
Die schlimmsten Haiangriffe der Geschichte sind keine Belege dafür, dass Haie den Menschen jagen. Sie zeigen das Gegenteil: Es brauchte einen Schiffsuntergang mitten im Pazifik, einen Hafenbau in Brasilien oder Schlachtabfälle im Roten Meer, damit es überhaupt zu solchen Häufungen kam.
Für den Urlaub heißt das vor allem: innerhalb der markierten Badezonen bleiben, nicht in der Dämmerung schwimmen und Abstand zu Fischereibooten halten. Was im Ernstfall zu tun ist, steht ausführlich im Beitrag Was tun bei einem Haiangriff.