Ist der Riesenhai gefährlich? Die Fakten

Ist der Riesenhai gefährlich? Die Fakten

Nein, der Riesenhai ist für Menschen ungefährlich. Er wird über zehn Meter lang und reißt sein Maul bis zu 1,5 Meter weit auf – gefressen wird damit aber ausschließlich Plankton. Es gibt keinen einzigen dokumentierten Fall, in dem ein Riesenhai einen Menschen angegriffen hat. Wer beim Tauchen oder vom Boot aus einem begegnet, erlebt eines der eindrucksvollsten und zugleich harmlosesten Tiere des Ozeans.

Trotzdem sorgt jede Sichtung für Schlagzeilen – ob vor Sylt, vor der kroatischen Küste oder in schottischen Buchten. Der Grund ist schlicht die Größe: Nach dem Walhai ist der Riesenhai (Cetorhinus maximus) der zweitgrößte Fisch der Welt. Dieser Artikel klärt, was hinter der bedrohlichen Erscheinung wirklich steckt.

Ist der Riesenhai gefährlich?

Der Riesenhai gehört zu den völlig harmlosen Haiarten. Er besitzt zwar Hunderte winziger Zähne in mehreren Reihen, doch diese sind nur wenige Millimeter groß und spielen bei der Nahrungsaufnahme keine Rolle. Sie sind ein evolutionäres Überbleibsel – ein Riesenhai kann damit weder beißen noch etwas zerreißen.

Auch sein Verhalten ist alles andere als aggressiv. Riesenhaie schwimmen beim Fressen gemächlich mit rund 3,7 km/h (etwa zwei Knoten) durchs Wasser und lassen sich von Booten und Tauchern kaum stören. Gefährlich wird die Begegnung höchstens durch die schiere Masse: Ein Tier von vier Tonnen kann bei einem Zusammenstoß ein kleines Boot beschädigen. Riesenhaie springen außerdem gelegentlich komplett aus dem Wasser – vermutlich, um Parasiten loszuwerden. Deshalb gilt: Abstand halten, Motor im Leerlauf, das Tier nicht verfolgen.

Wie groß wird der Riesenhai?

Ausgewachsene Riesenhaie messen im Schnitt zwischen 6,7 und 8,8 Metern. Regelmäßig werden Tiere von rund zehn Metern beobachtet. Das größte je dokumentierte Exemplar verfing sich 1851 in der Bay of Fundy vor Kanada in einem Heringsnetz und maß 12,27 Meter.

  • Durchschnittliche Länge: 6,7–8,8 m
  • Maximum (dokumentiert): 12,27 m
  • Gewicht: bis rund 4,7 Tonnen
  • Maulöffnung: bis zu 1,5 m Breite
  • Geschlechtsreife: Männchen ab ca. 5,7 m, Weibchen ab ca. 8 m

Neugeborene Riesenhaie sind bereits 1,5 bis 1,8 Meter lang – größer als die meisten ausgewachsenen Haie in europäischen Gewässern. Die Weibchen tragen ihre Jungen länger als ein Jahr aus und bringen nur wenige Nachkommen zur Welt.

Was frisst der Riesenhai?

Der Riesenhai ernährt sich ausschließlich von Zooplankton: Kleinkrebsen, Flügelschnecken sowie Fischeiern und -larven. Seine Jagdtechnik ist denkbar einfach – er schwimmt mit weit geöffnetem Maul durch Planktonschwärme und lässt das Wasser durch die Kiemen wieder ausströmen.

Die eigentliche Arbeit erledigen die sogenannten Reusenzähne. Diese 10 bis 15 Zentimeter langen Hornborsten aus Keratin sitzen an den fünf riesigen Kiemenspalten und wirken wie ein Sieb. Ein großer Riesenhai filtert auf diese Weise rund 1.800 Tonnen Wasser pro Stunde – das entspricht etwa dem Inhalt eines olympischen Schwimmbeckens alle anderthalb Stunden. Pro Tag kommen so bis zu 500 Liter reines Plankton zusammen.

Luftaufnahme eines Riesenhais, der mit geöffnetem Maul an der Oberfläche Plankton filtert
Beim Fressen zieht der Riesenhai gemächlich mit offenem Maul durch Planktonschwärme. Foto: CINMS/NOAA, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Die Reusen nutzen sich ab und werden alle vier bis fünf Monate erneuert. In dieser Zeit können die Tiere kaum fressen und zehren von ihren gewaltigen Fettreserven in der Leber.

Riesenhai oder Walhai – wo liegt der Unterschied?

Beide sind riesige Planktonfresser, verwandt sind sie aber nicht. Der Walhai gehört zu den Ammenhaiartigen, der Riesenhai zu den Makrelenhaiartigen – seine nächsten Verwandten sind damit der Weiße Hai und der Makohai.

  • Größe: Der Walhai wird bis zu 14 Meter lang, der Riesenhai bis rund 12 Meter.
  • Färbung: Der Walhai trägt ein auffälliges helles Punktmuster, der Riesenhai ist einfarbig graubraun bis fast schwarz.
  • Wassertemperatur: Der Walhai lebt in tropisch warmen Meeren, der Riesenhai bevorzugt kühle 8 bis 15 °C.
  • Kopfform: Der Walhai hat ein breites, flaches, endständiges Maul; beim Riesenhai sitzt das kegelförmig zugespitzte Maul unterständig, die Kiemenspalten reichen fast um den ganzen Körper.

In europäischen Gewässern ist die Verwechslungsgefahr gering: Wer hier einen mehrere Meter langen Hai mit geöffnetem Maul an der Oberfläche sieht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Riesenhai vor sich.

Wo lebt der Riesenhai?

Der Riesenhai lebt in kühlen und gemäßigten Gewässern beider Hemisphären – im Atlantik, im Pazifik, im Mittelmeer und in der Nordsee. Im Sommer folgt er den Planktonblüten an die Oberfläche, was ihn besonders sichtbar macht. Im Winter zieht er den Schwärmen in Tiefen unterhalb des Kontinentalschelfs nach, teilweise über 700 Meter tief. Genau deshalb hielt man ihn früher fälschlich für einen Winterschläfer.

Auch vor Deutschland taucht er auf, wenn auch selten. Dokumentierte Sichtungen gab es unter anderem 2016 an der Doggerbank und am Sylter Außenriff sowie 2019 westlich von Esbjerg – mehr dazu in unserem Überblick über Haie in der Nordsee. Im Mittelmeer sorgen vor allem Sichtungen vor Istrien und Pula regelmäßig für Aufsehen; welche Arten dort sonst noch vorkommen, zeigt der Artikel zu Haien im Mittelmeer. Die verlässlichsten Beobachtungsgebiete Europas liegen jedoch vor Schottland, Irland und der Isle of Man.

Wie stark ist der Riesenhai bedroht?

Die Weltnaturschutzunion IUCN führt den Riesenhai in ihrer Roten Liste als stark gefährdet (Endangered). Verantwortlich dafür ist die kommerzielle Fischerei: Zwischen 1946 und 1997 wurden allein im Nordostatlantik mehr als 100.000 Riesenhaie getötet – vor allem wegen des Leberöls und der Flossen.

Die Bestände erholen sich nur langsam, denn die Biologie der Art arbeitet gegen sie: spätes Erreichen der Geschlechtsreife, über einjährige Tragzeit und wenige Junge pro Wurf. Heute ist der Riesenhai in der EU und in vielen weiteren Staaten geschützt, außerdem durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) und CMS-Anhänge reguliert. Der WWF zählt ihn zu den Arten, deren Erholung Jahrzehnte dauern wird.

Häufige Fragen zum Riesenhai

Ist der Riesenhai gefährlich für Menschen?

Nein. Es ist kein Angriff eines Riesenhais auf einen Menschen dokumentiert. Seine Zähne sind winzig und funktionslos, sein Verhalten ruhig. Vorsicht ist nur wegen des Gewichts und der gelegentlichen Sprünge aus dem Wasser geboten.

Ist ein Riesenhai ein Walhai?

Nein, es sind zwei verschiedene Arten aus unterschiedlichen Ordnungen. Der Walhai lebt in tropischen Meeren und ist gepunktet, der Riesenhai lebt in kühlem Wasser und ist einfarbig.

Wie groß werden Riesenhaie?

Üblich sind 6,7 bis 8,8 Meter, Tiere um zehn Meter sind keine Seltenheit. Das größte gesicherte Exemplar maß 12,27 Meter bei einem Gewicht von rund 4,7 Tonnen.

Hat der Riesenhai Zähne?

Ja, mehrere Hundert – aber nur wenige Millimeter groß und ohne Funktion beim Fressen. Die Nahrung wird über die 10 bis 15 Zentimeter langen Reusenzähne an den Kiemen aus dem Wasser gefiltert.

Wie alt werden Riesenhaie?

Fachleute schätzen die Lebenserwartung auf etwa 50 Jahre, gesicherte Altersbestimmungen sind schwierig. Damit bleibt er weit hinter dem Grönlandhai zurück, der mehrere Jahrhunderte alt werden kann.

Wo kann man Riesenhaie sehen?

Die besten Chancen bestehen von Mai bis August vor Schottland, Irland, Cornwall und der Isle of Man. Auch im Mittelmeer vor Kroatien und gelegentlich in der Nordsee werden Tiere gemeldet.

Fazit

Der Riesenhai ist das perfekte Beispiel dafür, dass Größe und Gefahr nichts miteinander zu tun haben. Ein zehn Meter langer Hai mit weit aufgerissenem Maul wirkt bedrohlich – tatsächlich siebt er nur Plankton aus dem Wasser und hat noch nie einem Menschen etwas getan. Bedroht ist in dieser Beziehung eindeutig der Hai: Nach jahrzehntelanger Jagd gilt er heute als stark gefährdet. Wer ihm im Sommer vor Schottland oder Kroatien begegnet, sollte ihn deshalb vor allem in Ruhe lassen.