24 Meter: Der Megalodon war größer als gedacht

24 Meter: Der Megalodon war größer als gedacht

Der Megalodon war größer, als lange angenommen: Eine Studie von 2025 kommt auf eine Maximallänge von rund 24 Metern — statt der etwa 15 bis 16 Meter, die jahrzehntelang in Lehrbüchern und Dokumentationen standen. Damit wäre der Urzeithai fast doppelt so lang gewesen wie ein ausgewachsener Walhai — und weit länger als jedes Raubtier, das heute in den Ozeanen schwimmt.

Die neue Zahl ist keine Sensationsmeldung, sondern das Ergebnis eines Methodenwechsels. Und sie erklärt zugleich, warum die Größenangaben zum Megalodon seit über hundert Jahren wandern: Von diesem Tier existiert kein einziges vollständiges Skelett. Was Forschende in den Händen halten, sind Zähne — und in wenigen Glücksfällen Wirbel. Alles andere ist Rekonstruktion.

Dieser Artikel führt durch den aktuellen Forschungsstand: wie groß der Megalodon wirklich war, was er wog, was seine Zähne verraten, wovon er sich ernährte, wie schnell er schwamm — und warum der größte Raubhai der Erdgeschichte vor 3,6 Millionen Jahren verschwand.

Megalodon Größe: von 16 auf 24 Meter

Die Größenschätzungen zum Megalodon haben sich in den letzten drei Jahrzehnten mehrfach verschoben. Ein Überblick über die wichtigsten Arbeiten zeigt die Spannbreite:

  • Gottfried u. a. (1996): konservativ 15,9 Meter bei rund 50 Tonnen, im Mittel 17 Meter bei 60 Tonnen, im Maximum 20,2 Meter bei 103 Tonnen
  • Cooper u. a. (2022): ein dreidimensionales Modell eines 16 Meter langen Tieres, Gewicht rund 61 Tonnen
  • Shimada u. a. (2025): Maximallänge von 24,3 Metern, Gewicht etwa 94 Tonnen

Auffällig ist: Die Zahlen widersprechen sich nicht nur in der Länge, sondern auch im Verhältnis von Länge zu Gewicht. Gottfrieds 20-Meter-Tier wiegt 103 Tonnen, Shimadas 24-Meter-Tier nur 94. Das ist kein Rechenfehler, sondern die logische Folge unterschiedlicher Annahmen über die Körperform. Wer einen gedrungenen Hai rekonstruiert, kommt bei gleicher Länge auf mehr Masse als jemand, der ein schlankes Tier annimmt.

Die 24 Meter der Shimada-Studie sind dabei ein Maximalwert für das größte bislang belegbare Exemplar, kein Durchschnitt. Ein typischer ausgewachsener Megalodon dürfte im Bereich von 13 bis 17 Metern gelegen haben. Auch beim heutigen Weißen Hai gilt: Die Rekordexemplare mit über sechs Metern sind Ausnahmen, nicht die Regel.

Warum niemand die Größe des Megalodon exakt kennt

Haie haben kein Knochenskelett. Ihr Körper wird von Knorpel getragen, und Knorpel zerfällt nach dem Tod fast vollständig, bevor er fossilisieren kann. Was von einem Megalodon nach Millionen Jahren übrig bleibt, ist deshalb in aller Regel nur das, was von vornherein hart mineralisiert war: die Zähne.

Vom Zahn zur Körperlänge

Die klassische Methode arbeitet mit einer Faustformel. Bei heutigen Weißen Haien besteht ein messbarer Zusammenhang zwischen der Höhe eines Vorderzahns und der Gesamtlänge des Tieres. Überträgt man dieses Verhältnis auf einen 16 Zentimeter hohen Megalodon-Zahn, ergibt sich eine Körperlänge.

Das Verfahren hat einen eingebauten Schwachpunkt: Es setzt voraus, dass der Megalodon proportioniert war wie ein Weißer Hai. Genau diese Annahme steht seit 2025 infrage. War der Megalodon anders gebaut, liefert die Formel systematisch falsche Werte — und zwar unabhängig davon, wie präzise der Zahn vermessen wurde.

Die Wirbelsäule als besserer Maßstab

Wirbel verkalken bei Haien stärker als der übrige Knorpel und können deshalb in seltenen Fällen erhalten bleiben. Ein außergewöhnlicher Fund aus Belgien umfasst 141 zusammenhängende Wirbel und wird in Brüssel aufbewahrt. Für die 3D-Rekonstruktion von 2022 diente er als Grundgerüst, ergänzt um Scans von Zähnen und Vergleichsdaten heutiger Haie.

Die Studie von 2025 ging einen Schritt weiter und wertete Wirbelfunde aus Belgien und Dänemark neu aus. Statt von der Zahngröße auf den Körper zu schließen, rechnete das Team von der Wirbelsäule aus — und kam damit auf die deutlich höhere Maximallänge. Der Weg über den Zahn hatte den Megalodon offenbar systematisch zu kurz gemacht.

Der Megalodon war schlank, nicht bullig

Das populäre Bild vom Megalodon ist bis heute das eines maßlos vergrößerten Weißen Hais: massiger Rumpf, stumpfe Schnauze, gedrungene Silhouette. Dieses Bild hat nie auf Fossilbefunden beruht — es entstand, weil der Weiße Hai lange als nächster lebender Verwandter galt und als bequeme Vorlage diente.

Das internationale Team um Kenshu Shimada von der DePaul University in Chicago hat diese Vorlage 2025 in der Fachzeitschrift Palaeontologia Electronica verworfen. Der Grund ist schlicht Physik: Ein Körper von über 20 Metern Länge mit den Proportionen eines Weißen Hais wäre im Wasser derart unhandlich geworden, dass er sich kaum noch effizient hätte fortbewegen können. Große Meerestiere sind fast durchgängig gestreckt gebaut — das gilt für Blauwale ebenso wie für den Walhai.

Als Modell schlägt die Studie deshalb den Zitronenhai vor, eine Art mit unauffälligem, mittlerem Körperbau. Aus dieser Rekonstruktion ergeben sich konkrete Maße: ein Kopf von knapp zwei Metern, eine Schwanzflosse von etwa dreieinhalb Metern und ein langgestreckter Rumpf dazwischen. Neugeborene kamen bereits mit rund vier Metern zur Welt — größer als ein ausgewachsener Weißer Hai in seinen ersten Lebensjahren.

Die schlankere Form hat Folgen für das Bild vom Jäger. Ein gestreckter Körper gleitet energiesparender durchs Wasser, taugt aber schlechter für die kurzen, explosiven Attacken, für die der Weiße Hai bekannt ist. Der Megalodon war demnach eher ein ausdauernder Dauerschwimmer als ein Sprinter.

Megalodon Gewicht: die Spanne von 50 bis 94 Tonnen

Beim Gewicht wird die Unsicherheit noch deutlicher als bei der Länge. Masse wächst näherungsweise mit der dritten Potenz der Länge — kleine Fehler in der Längenschätzung schlagen deshalb im Gewicht dramatisch durch. Zusätzlich hängt das Ergebnis vollständig von der angenommenen Körperform ab, die selbst wieder eine Rekonstruktion ist.

Die belastbaren Eckwerte aus der Literatur:

  • Ein Tier von 16 Metern kommt auf etwa 61 Tonnen
  • Ein Tier von 20 Metern erreicht je nach Modell 60 bis 103 Tonnen
  • Das Maximalexemplar von 24 Metern wird auf rund 94 Tonnen geschätzt

Zur Einordnung: Ein ausgewachsener Weißer Hai wiegt etwa eine bis zwei Tonnen. Der Megalodon brachte also das Dreißig- bis Fünfzigfache auf die Waage. Ein Blauwal kommt auf 100 bis 150 Tonnen — der größte Raubhai der Erdgeschichte blieb damit unter dem größten Tier der Erdgeschichte, spielte aber in derselben Größenordnung.

Eine solche Masse hat einen Preis. Die 3D-Rekonstruktion von 2022 rechnete den täglichen Energiebedarf eines 61-Tonnen-Tieres auf rund 98.000 Kilokalorien hoch. Das entspricht etwa dem Vierzigfachen dessen, was ein erwachsener Mensch pro Tag benötigt — und es erklärt, warum der Megalodon auf große, fetthaltige Beute angewiesen war.

Megalodon Zahn: 18 Zentimeter Beweisstück

Der Name sagt es bereits: Megalodon setzt sich aus den griechischen Wörtern megas für „groß“ und odon für „Zahn“ zusammen. Die Zähne sind das, was die Art überhaupt bekannt gemacht hat — und praktisch alles, was von ihr geblieben ist.

Form, Größe und Zahl der Zähne

Ein Megalodon-Zahn ist grob dreieckig, dick, an den Schneidekanten fein gesägt und erreicht in Ausnahmefällen über 18 Zentimeter Höhe. Zum Vergleich: Der größte Zahn eines Weißen Hais misst rund sieben Zentimeter. Die Sägekante ist funktional entscheidend — sie schneidet nicht wie ein Messer, sondern zersägt Muskel und Knorpel unter seitlicher Bewegung des Kopfes.

Im Oberkiefer eines Megalodon standen vier vordere Zähne, zwei Zwischenzähne, vierzehn seitliche und acht hintere Zähne — jeweils pro Kieferhälfte in mehreren hintereinanderliegenden Reihen. Wie alle Haie ersetzte er verlorene Zähne fortlaufend. Über ein Haileben hinweg kommen so tausende Zähne zusammen, und genau deshalb sind Megalodon-Zähne trotz des Alters keine extreme Seltenheit: Ein einzelnes Tier hat sehr viele davon hinterlassen.

Kiefer eines Hais mit dreieckigen, fein gesägten Zähnen in mehreren Reihen
Mehrere Zahnreihen hintereinander: Haie ersetzen verlorene Zähne lebenslang. Foto: Denys Gromov / Pexels

Wo Megalodon-Zähne gefunden werden

Gefunden werden die Zähne nicht im Meer, sondern an Land. Die Ablagerungen der warmen Flachmeere, in denen der Megalodon jagte, liegen heute vielerorts trocken — als Sedimentschichten in Kiesgruben, an Flussufern, in Steilküsten und Baugruben. Wo diese Schichten angeschnitten werden, kommen die Zähne zutage, in Europa ebenso wie in Nord- und Südamerika, Afrika, Indien, Japan und Australien.

Ihre Farbe verrät dabei nichts über das Tier, sondern über das Sediment: Je nach eingelagerten Mineralien reicht sie von hellem Beige über Grau und Braun bis zu tiefem Schwarz. Vollständig erhaltene Exemplare mit intakter Wurzel und scharfer Sägekante sind deutlich seltener als angewitterte Bruchstücke — und entsprechend gesucht.

Was die Bisskraft angeht

Rechenmodelle setzen die Bisskraft eines großen Megalodon bei ungefähr 108.000 bis 182.000 Newton an. Ein Weißer Hai kommt auf etwa 18.000 Newton. Diese Werte sind allerdings ausdrücklich Simulationsergebnisse und keine Messungen — sie beruhen auf einem modellierten Kiefer, dessen Muskelansätze niemand je gesehen hat. Als Größenordnung sind sie brauchbar, als exakte Zahlen nicht.

Belastbarer als jede Simulation sind die Spuren am Beutetier. An fossilen Walknochen finden sich Kratz- und Schnittmarken, die eindeutig von Megalodon-Zähnen stammen. Eine Auswertung von 70 solchen Bissspuren zeigt: In zwei Dritteln der Fälle galt der Angriff den Flossen, den Schultern oder den Brustwirbeln. Das ist kein wahlloses Zubeißen, sondern ein Muster — der Hai zielte offenbar auf die Bewegungsapparate seiner Beute, um sie manövrierunfähig zu machen.

Megalodon Nahrung: kein reiner Walfresser

Lange galt der Megalodon als spezialisierter Waljäger. Diese Sicht stützte sich vor allem auf die erwähnten Bissspuren an Walknochen — und die sind zwar echt, aber als Beleg einseitig: Ein angeknabberter Walwirbel fossilisiert, ein verdauter Thunfisch nicht.

Ein Team der Goethe-Universität Frankfurt hat deshalb einen anderen Weg gewählt und 209 fossile Zähne auf ihre Zinkisotope hin untersucht. Das Verhältnis bestimmter Zinkisotope im Zahnschmelz verschiebt sich mit jeder Stufe der Nahrungskette und liefert damit ein direktes chemisches Signal dafür, auf welcher Ebene ein Tier gefressen hat. Anders als Bissspuren zeigt es nicht einzelne Mahlzeiten, sondern die Ernährung über längere Zeit.

Das Ergebnis fiel deutlich aus: Der Megalodon hatte ein breites Nahrungsspektrum, und dieses unterschied sich je nach Fundregion erheblich. Er war kein Spezialist, sondern ein opportunistischer Spitzenprädator mit hoher ökologischer Anpassungsfähigkeit — ein Tier, das fraß, was verfügbar war.

Die untersuchte Nahrungskette gliederte sich dabei von unten nach oben so auf:

  • Meerbrassen, die sich von Muscheln, Schnecken und Krebstieren ernährten, bildeten die unterste untersuchte Stufe
  • darüber kleinere Haiarten wie Requiemhaie
  • darüber Vorfahren heutiger Delfine und andere Walarten
  • an der Spitze der Megalodon selbst

Praktisch heißt das: Robben, Seekühe, Delfine, große Fische, Meeresschildkröten und kleinere Haie standen ebenso auf dem Speiseplan wie Bartenwale. Für ein Tier mit einem Tagesbedarf im Bereich von 100.000 Kilokalorien war diese Flexibilität keine Nebensache, sondern Überlebensbedingung.

So schnell schwamm der Megalodon

Die Vorstellung eines rasenden Riesen hält sich hartnäckig, sie ist aber falsch. Die 3D-Rekonstruktion von 2022 ermittelte eine Reisegeschwindigkeit von etwa 1,4 Metern pro Sekunde, also rund 5 Kilometern pro Stunde. Das klingt gemächlich — und war es auch, gemessen an dem, was Haie im Sprint leisten.

Der Punkt ist ein anderer: 5 km/h Dauergeschwindigkeit sind für ein Tier dieser Masse außergewöhnlich viel. Damit lag der Megalodon über der durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit jedes heute lebenden Hais. In Kombination mit dem gestreckten Körperbau ergibt das das Profil eines Tieres, das ozeanweite Strecken zurücklegen konnte, ohne dabei Energie zu verschwenden.

Zur Spitzengeschwindigkeit im Angriff schweigen die Fossilien. Die Studie von 2025 hält lediglich fest, dass der Megalodon keine höheren Geschwindigkeiten erreicht haben dürfte als moderne Weiße Haie. Ein Makohai, der über 70 km/h schafft, wäre ihm auf kurzer Distanz mühelos davongezogen — der Megalodon jagte nicht über Tempo, sondern über Masse und Reichweite.

Kinderstuben, warmes Blut und ein langes Leben

Über die Lebensweise des Megalodon lässt sich mehr sagen, als der magere Fossilbestand vermuten lässt — weil Zähne mehr verraten als nur ihre Größe.

Die Kinderstube von Panama

In der Gatún-Formation in Panama fanden Forschende Zähne von 32 Megalodon-Exemplaren. Die Zusammensetzung war ungewöhnlich: 21 Tiere waren Jungtiere zwischen vier und zehn Metern, vier weitere waren Neugeborene von zwei bis vier Metern. Ausgewachsene Tiere fehlten fast vollständig.

Eine solche Altersverteilung entsteht nicht zufällig. Der Fundort war eine Kinderstube — ein flaches, geschütztes Küstengewässer, in dem Jungtiere aufwuchsen, bevor sie ins offene Meer wechselten. Heutige Haiarten nutzen solche Aufwuchsgebiete bis heute, und ihr Verlust durch Küstenbebauung zählt zu den größten Bedrohungen für viele Haiarten.

Ein Hai mit stabiler Körpertemperatur

Isotopenanalysen an Megalodon-Zähnen zeigen, dass die Tiere eine relativ stabile Körpertemperatur von durchschnittlich 26 bis 27 Grad Celsius hielten — bei einer Wassertemperatur von etwa 21 Grad. Der Megalodon war also endotherm, konnte seinen Körper aktiv über die Umgebungstemperatur hinaus aufheizen.

Diese Fähigkeit teilt er mit einer kleinen Gruppe heutiger Haie, darunter der Weiße Hai und der Makohai. Sie bringt Vorteile: Warme Muskeln arbeiten schneller, warme Verdauung setzt Energie zügiger frei, und kühlere Gewässer werden zugänglich. Sie hat aber einen hohen Preis an Nahrungsenergie — ein Punkt, der beim Aussterben eine Rolle gespielt haben dürfte.

Verbreitung und Lebensraum

Megalodon-Zähne wurden auf allen Kontinenten außer der Antarktis gefunden: in Australien, Europa, Afrika, Indien, Japan sowie Nord- und Südamerika. Die Art war global verbreitet — allerdings nicht überall. Die Funde konzentrieren sich auf Küstenregionen warmer Meere in Wassertiefen unter 200 Metern. Der Megalodon war ein Bewohner der oberen, produktiven Wasserschichten, nicht der Tiefsee.

Warum der Megalodon ausgestorben ist

Der Megalodon trat vor etwa 23 Millionen Jahren im frühen Miozän auf und verschwand vor rund 3,6 Millionen Jahren im Pliozän. Seine Blütezeit lag dazwischen, vor ungefähr 16 bis 11 Millionen Jahren. Mit knapp 20 Millionen Jahren Bestand gehört er zu den langlebigsten Spitzenprädatoren der Erdgeschichte — sein Verschwinden war entsprechend kein Zufall. Eine einzelne Ursache gibt es nach heutigem Stand allerdings nicht: Mehrere Entwicklungen trafen zusammen und wirkten in dieselbe Richtung.

Ein Kontinent schließt die Tür

Mit der Entstehung der Landbrücke von Panama wurden Atlantik und Pazifik voneinander getrennt. Die Meeresströmungen ordneten sich neu, das globale Klima kühlte ab. Für einen Hai, der auf warme Küstengewässer angewiesen war, schrumpfte damit der geeignete Lebensraum — und die verbliebenen Gebiete lagen weiter auseinander als zuvor.

Die Beute wird schneller

Im Pliozän veränderte sich die Walfauna. Viele der langsamen, küstennahen Arten, auf die der Megalodon gut zugreifen konnte, verschwanden. An ihre Stelle traten Wale, die schneller schwammen, weiter hinausschwammen und in kühlere Gewässer auswichen — dorthin, wo der Megalodon ihnen nicht ohne Weiteres folgen konnte.

Der Weiße Hai als Konkurrent

Vor etwa vier Millionen Jahren hatte sich der Weiße Hai nahezu weltweit ausgebreitet — nur wenige Hunderttausend Jahre, bevor der Megalodon aus dem Fossilbericht verschwindet. Der Vergleich der Zinkisotope in den Zähnen beider Arten zeigt, dass sie auf derselben Ebene der Nahrungskette jagten. Sie waren direkte Nahrungskonkurrenten.

In diesem Wettbewerb war die Größe des Megalodon keine Stärke, sondern eine Last. Ein 60-Tonnen-Tier mit warmem Blut braucht enorme Mengen Nahrung, um überhaupt seinen Grundumsatz zu decken. Ein zwei Tonnen schwerer Weißer Hai kommt mit einem Bruchteil aus, wird früher geschlechtsreif, vermehrt sich schneller und übersteht magere Phasen leichter. Kommen Schwertwale als weitere Konkurrenten hinzu, verschiebt sich das Gleichgewicht endgültig.

Der größte Raubhai der Erdgeschichte ist damit nicht an einer Katastrophe zugrunde gegangen, sondern an einer Rechnung, die nicht mehr aufging: zu hoher Energiebedarf, zu wenig geeignete Beute, zu viel Konkurrenz. Der viel kleinere Weiße Hai hat ihn nicht besiegt — er hat ihn überlebt.

Der Megalodon lebt nicht im Marianengraben

Kaum ein ausgestorbenes Tier hat so viele Überlebensgerüchte hervorgebracht. Die verbreitetste Variante: Der Megalodon habe sich in die Tiefsee zurückgezogen, konkret in den Marianengraben, und sei deshalb nie wieder gesichtet worden. Der Gedanke ist reizvoll, hält aber keiner Prüfung stand.

Dagegen sprechen mehrere unabhängige Argumente:

  • Der Lebensraum passt nicht. Sämtliche Funde stammen aus warmen Küstengewässern unter 200 Metern Tiefe. Der Megalodon war kein Tiefseetier und hätte sich nicht in einen Lebensraum zurückziehen können, an den er nicht angepasst war.
  • Die Nahrung fehlt. In der Tiefsee gibt es keine Walbestände, die einen Energiebedarf von rund 100.000 Kilokalorien täglich decken könnten. Die Tiefsee ist extrem nahrungsarm — genau deshalb sind ihre Bewohner meist klein und langsam.
  • Die Zähne hören auf. Ein Megalodon verliert im Lauf seines Lebens tausende Zähne, die auf den Meeresboden sinken. Aus den letzten 3,6 Millionen Jahren gibt es keinen einzigen. Bei einer lebenden Population wäre das ausgeschlossen.
  • Es gibt keine Kadaver. Angeschwemmte Riesenhaie hinterlassen Spuren. Von einem 20-Meter-Hai existiert kein Strandfund, kein Foto, keine Aufnahme.

Die immer wieder zitierten „Sichtungen“ gehen auf Filmszenen, missverstandene Sonarbilder oder schlicht auf große Weiße Haie zurück. Der Kinofilm Meg hat das Seine dazu beigetragen — er ist Unterhaltung, keine Dokumentation.

Häufige Fragen zum Megalodon

Wie groß war Megalodon?

Nach der aktuellen Studienlage erreichte das größte bekannte Exemplar rund 24 Meter. Ältere Schätzungen lagen bei 16 bis 20 Metern. Ein durchschnittlich ausgewachsenes Tier dürfte zwischen 13 und 17 Metern gemessen haben.

Warum starb Megalodon aus?

Es war ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: die Abkühlung der Meere nach der Entstehung der Landbrücke von Panama, das Verschwinden langsamer Küstenwale als Hauptbeute, der enorme Energiebedarf eines endothermen Riesen und die Konkurrenz durch Weiße Haie und Schwertwale. Der Megalodon verschwand vor etwa 3,6 Millionen Jahren.

Was hat Megalodon gefressen?

Wale, Delfine, Robben, Seekühe, große Fische, Meeresschildkröten und kleinere Haie. Die Analyse von 209 fossilen Zähnen an der Goethe-Universität Frankfurt zeigt ein breites, regional unterschiedliches Nahrungsspektrum — der Megalodon war kein reiner Walspezialist, sondern ein opportunistischer Jäger.

Kann Megalodon noch leben?

Nein. Aus den letzten 3,6 Millionen Jahren existiert kein einziger Megalodon-Zahn, obwohl ein solches Tier zu Lebzeiten tausende verliert. Dazu kommt: Als Bewohner warmer Flachmeere hätte er sich nicht in die nahrungsarme Tiefsee zurückziehen können.

Wie schnell war Megalodon?

Die Reisegeschwindigkeit lag bei etwa 1,4 Metern pro Sekunde, also rund 5 km/h — mehr als bei jedem heute lebenden Hai im Dauerbetrieb. Im Sprint dürfte er dagegen nicht schneller gewesen sein als ein moderner Weißer Hai.

Ist Megalodon ein Dinosaurier?

Nein, der Megalodon war ein Hai und damit ein Fisch. Zeitlich liegen Welten dazwischen: Die Dinosaurier starben vor 66 Millionen Jahren aus, der Megalodon trat erst rund 43 Millionen Jahre später auf.

Fazit: ein Riese, der immer noch wächst

Der Megalodon war mit bis zu 24 Metern und rund 94 Tonnen der größte Raubhai, den die Erde hervorgebracht hat. Er jagte weltweit in warmen Küstenmeeren, hielt sein Blut warm, zog seine Jungen in flachen Kinderstuben groß und fraß alles, was groß genug war, den Aufwand zu lohnen.

Bemerkenswert ist, dass sein Steckbrief nach über hundert Jahren Forschung noch immer in Bewegung ist. Die Zahl von 24 Metern stammt aus dem Jahr 2025, das Bild vom schlanken statt bulligen Körper ebenfalls. Beides kann sich mit dem nächsten gut erhaltenen Wirbelfund wieder verschieben — bei einem Tier, von dem im Wesentlichen nur Zähne geblieben sind, ist jede Zahl eine begründete Rekonstruktion, keine Messung.

Und vielleicht ist die interessanteste Erkenntnis die unspektakulärste: Der größte Hai aller Zeiten ist nicht an seiner Größe gescheitert, sondern daran, dass sie ihn zu teuer machte. Der Weiße Hai, dreißigmal leichter, schwimmt noch heute.