Wer an Haie in Europa denkt, denkt an Verluste: Riesenhai, Heringshai und Dornhai sind aus Nord- und Ostsee fast verschwunden. Der Katzenhai ist die Ausnahme. Er ist nicht nur die häufigste Haiart europäischer Gewässer, sondern auch die einzige heimische Hai-Art, die sowohl auf der deutschen Roten Liste als auch bei der Weltnaturschutzunion IUCN als nicht gefährdet geführt wird. Wie ihm das gelungen ist – und warum du seine Eier vermutlich schon einmal am Strand in der Hand hattest, ohne es zu wissen.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Katzenhai Größe: ein Meter ist die Obergrenze
- 2 Warum der Katzenhai überlebt, wo andere Haie verschwinden
- 3 Katzenhai in Nordsee und Ostsee: der Hai vor der Haustür
- 4 Katzenhai im Mittelmeer: Kroatien, Adria und Mallorca
- 5 Katzenhai Eier: die Täschchen im Spülsaum
- 6 So gefährlich ist der Katzenhai wirklich
- 7 Häufige Fragen zum Katzenhai
- 8 Fazit
Katzenhai Größe: ein Meter ist die Obergrenze
Der Kleingefleckte Katzenhai (Scyliorhinus canicula) ist die Art, die in Europa gemeint ist, wenn jemand vom Katzenhai spricht. Er wird höchstens 100 Zentimeter lang, die meisten Tiere bleiben bei 60 bis 80 Zentimetern und wiegen dabei kaum mehr als ein bis anderthalb Kilogramm. Sein Körper ist schlank und walzenförmig, die Haut fühlt sich an wie grobes Sandpapier, und der sandbraune Rücken ist mit unzähligen dunklen Punkten übersät.
Seinen Namen verdankt er den auffällig großen Augen mit schlitzförmigen Pupillen – sie erinnern an Katzenaugen und lassen sich sogar mit einer Nickhaut verschließen. In den europäischen Gewässern hat er einen größeren Verwandten: Der Großgefleckte Katzenhai (Scyliorhinus stellaris) erreicht durchschnittlich 1,3 Meter und maximal 1,6 Meter. Er trägt, wie der Name sagt, deutlich größere Flecken und bevorzugt felsigen Grund in 20 bis 60 Metern Tiefe.
Warum der Katzenhai überlebt, wo andere Haie verschwinden
Der entscheidende Unterschied liegt in der Fortpflanzung. Große Haiarten werden spät geschlechtsreif und bekommen wenige Junge – ein Dornhai trägt fast zwei Jahre, ein Heringshai bringt nur vier Junge pro Wurf zur Welt. Fischt man solche Bestände ab, brauchen sie Jahrzehnte zur Erholung. Beim Dornhai sind so über 95 Prozent des Bestandes verloren gegangen.
Der Katzenhai macht es umgekehrt. Er ist schon mit drei bis fünf Jahren geschlechtsreif und legt Jahr für Jahr bis zu 20 Eier – verteilt über die gesamte Saison. Dazu kommt: Er ist als kleiner, magerer Bodenfisch kommerziell kaum interessant. Er landet zwar regelmäßig als Beifang in Grundschleppnetzen, wird aber meist wieder über Bord gegeben, und ein Teil der Tiere überlebt das. Diese Kombination aus schneller Vermehrung und geringem Marktwert hat ihm den Bestand gerettet.
Katzenhai in Nordsee und Ostsee: der Hai vor der Haustür
In Deutschland lebt der Katzenhai vor allem in der westlichen Nordsee und in der Deutschen Bucht, vereinzelt verirren sich Tiere bis in die westliche Ostsee. Er hält sich dicht über dem Meeresboden auf, über Sand, Kies und Schlick, typischerweise in 10 bis 200 Metern Tiefe – in Ausnahmefällen wurde er bis 800 Meter tief nachgewiesen. Tagsüber ruht er meist regungslos am Grund, oft in Gruppen; jagen geht er nachts.
Auf dem Speiseplan stehen Krebse, Garnelen, Ringelwürmer, Tintenfische und kleine Bodenfische. Aufspüren tut er sie mit den Lorenzinischen Ampullen, tausenden Elektrosensoren an der Schnauze, die selbst im Sand vergrabene Beute verraten. Damit gehört er zu den wenigen Arten, die man bei den Haien in der Nordsee heute noch verlässlich antrifft – die Schutzstation Wattenmeer führt ihn als regelmäßigen Bewohner der deutschen Nordseeküste.
Katzenhai im Mittelmeer: Kroatien, Adria und Mallorca
Das Verbreitungsgebiet reicht von Südwestnorwegen über die Britischen Inseln und Spanien bis vor die Küste Senegals – und schließt das gesamte Mittelmeer und das Schwarze Meer ein. Taucher begegnen ihm entsprechend regelmäßig in der Adria vor Kroatien, vor Mallorca oder an der türkischen Küste. Weil er nachtaktiv ist und flach über dem Grund liegt, bekommt man ihn beim Nachttauchgang deutlich häufiger zu sehen als tagsüber. Unter den Haien im Mittelmeer ist er damit die mit Abstand häufigste Begegnung.

Katzenhai Eier: die Täschchen im Spülsaum
Katzenhaie gebären nicht lebend, sondern legen Eier – und zwar in rechteckigen, hornigen Kapseln. In der Nordsee messen sie etwa 5 bis 7 Zentimeter in der Länge und 2 bis 3 Zentimeter in der Breite. An ihren vier Ecken sitzen lange, klebrige Spiralfäden, mit denen das Weibchen die Kapsel an Algen, Seefedern oder Steinen festzurrt, damit die Strömung sie nicht davonträgt.
Der Embryo entwickelt sich darin je nach Wassertemperatur fünf bis elf Monate, meist acht bis neun, und schlüpft mit etwa 8 bis 10 Zentimetern als fertiger Miniaturhai. Die Eiablage läuft das ganze Jahr, mit einem Höhepunkt im Juni und Juli. Die leeren Kapseln spült es später an den Strand – dort liegen sie als schwarzbraune, ledrige „Meerjungfrauentäschchen“ im Spülsaum. Wer an der Nordseeküste eines findet, hält den Kinderwagen eines Hais in der Hand.
So gefährlich ist der Katzenhai wirklich
Gar nicht. Der Katzenhai besitzt zwar bis zu 50 Zähne, doch die sind winzig und borstenartig – gebaut zum Zerdrücken von Krebspanzern, nicht zum Reißen. Ein Tier von 70 Zentimetern Länge könnte einem Menschen selbst bei bestem Willen nichts anhaben. Es ist kein einziger Angriff auf einen Menschen dokumentiert.
Umgekehrt hat er durchaus einen Verteidigungstrick: Wird er gepackt, rollt er sich blitzschnell zu einem Ring zusammen und macht sich so schwerer greifbar. Wer beim Grundangeln einen Katzenhai am Haken hat, sollte ihn mit nassen Händen anfassen – die raue Haut ist unangenehm, gefährlich ist sie nicht.
Häufige Fragen zum Katzenhai
Ist der Katzenhai gefährlich für Menschen?
Nein. Seine bis zu 50 Zähne sind klein und borstenartig und dienen dem Zerdrücken von Krebsen. Angriffe auf Menschen sind nicht dokumentiert.
Wie groß werden Katzenhaie?
Der Kleingefleckte Katzenhai wird maximal 100 Zentimeter lang, meist 60 bis 80. Der Großgefleckte Katzenhai erreicht bis zu 1,6 Meter. Innerhalb der gesamten Familie reicht die Spanne von 21 Zentimetern bis 1,70 Metern.
Wie alt werden Katzenhaie?
Etwa acht Jahre. Damit lebt er deutlich kürzer als große Haiarten – ein Grönlandhai wird mehrere Hundert Jahre alt.
Warum heißen Katzenhaie Katzenhaie?
Wegen der Augen: Sie sind im Verhältnis zum Körper sehr groß und haben schlitzförmige Pupillen wie eine Katze. Auch die langsame, schleichende Fortbewegung wird als Namensgrund genannt.
Ist der Katzenhai vom Aussterben bedroht?
Nein, die IUCN stuft ihn als „nicht gefährdet“ (Least Concern) ein, sein Bestand gilt als stabil bis regional zunehmend. Er ist laut WWF-Artenlexikon die einzige heimische Hai-Art mit diesem Status. Belastet wird er dennoch durch Beifang, Sand- und Kiesabbau sowie Lebensraumverlust am Meeresboden.
Wie pflanzen sich Katzenhaie fort?
Sie legen Eier. Ein Weibchen produziert bis zu 20 Eikapseln pro Jahr und heftet sie mit klebrigen Spiralfäden an Algen oder Steine. Nach fünf bis elf Monaten schlüpft ein etwa 10 Zentimeter langer Jungfisch.
Fazit
Der Katzenhai ist kein spektakulärer Hai – und genau das ist sein Erfolgsrezept. Zu klein für die Fischerei, zu fruchtbar für den Zusammenbruch, zu anspruchslos für den Lebensraumverlust: Während die großen Arten aus europäischen Gewässern verschwunden sind, ist er geblieben. Wer wissen will, wie ein gesunder Haibestand vor der eigenen Haustür aussieht, muss nicht in tropische Gewässer reisen. Es reicht ein Blick in den Spülsaum der Nordsee.