Fuchshai: Der Hai, der mit dem Schwanz jagt

Fuchshai: Der Hai, der mit dem Schwanz jagt

Der Fuchshai ist der einzige Hai, der seine Beute nicht mit dem Maul erlegt, sondern mit dem Schwanz. Er peitscht den überlangen oberen Teil seiner Schwanzflosse über den eigenen Kopf hinweg in einen Fischschwarm — die Schwanzspitze erreicht dabei bis zu 80 km/h und tötet mit einem einzigen Schlag mehrere Sardinen auf einmal. Erst danach kehrt er um und sammelt die betäubten Fische ein.

Lange war das nur eine Vermutung von Fischern, die immer wieder Haie am Schwanz statt am Maul an der Angel hatten. Seit 2013 ist die Jagdtechnik wissenschaftlich dokumentiert — und die Messwerte sind beeindruckender als gedacht.

So jagt der Fuchshai mit seiner Schwanzflosse

Ein Team um den Meeresbiologen Simon Oliver filmte zwischen Juni und Oktober 2010 vor der philippinischen Insel Pescador 25 Jagdszenen von Fuchshaien mit Unterwasserkameras. Die Auswertung erschien 2013 im Fachjournal PLOS ONE und lieferte den ersten belastbaren Beleg dafür, dass die Schwanzflosse tatsächlich als Waffe eingesetzt wird.

Der Ablauf ist immer derselbe: Der Hai schwimmt gezielt auf einen Sardinenschwarm zu, bremst abrupt ab und schleudert den Schwanz in einer Bewegung über den Kopf nach vorne. In 16 sauber vermessenen Überkopf-Schlägen erreichte die Schwanzspitze im Mittel 14 Meter pro Sekunde, also rund 50 km/h. Der schnellste gemessene Schlag lag bei knapp 22 Metern pro Sekunde — umgerechnet etwa 80 km/h.

Bei den heftigsten Schlägen bildeten sich hinter der Schwanzspitze Blasen: Der Druck im Wasser fällt kurzzeitig so stark ab, dass gelöste Gase austreten. Nicht jeder Fisch wird also direkt getroffen — ein Teil der Beute stirbt an der Druckwelle. Rund ein Drittel der Angriffe war erfolgreich, und pro erfolgreichem Schlag fraß der Hai im Schnitt 3,6 Sardinen, in einem Fall sogar sieben.

Genau darin liegt der Vorteil gegenüber Jägern, die einzelne Fische verfolgen: Der Fuchshai holt sich mit einer einzigen Bewegung gleich mehrere Beutetiere.

Der Körperbau macht den Peitschenschlag erst möglich

Der obere Teil der Schwanzflosse ist beim Fuchshai fast so lang wie der gesamte restliche Körper und macht damit etwa die Hälfte der Gesamtlänge aus. Kein anderer Hai hat diese Proportionen. Der untere Teil der Schwanzflosse ist dagegen normal ausgebildet.

Fuchshai im Blauwasser von der Seite, die Schwanzflosse ist etwa so lang wie der restliche Körper
Die Seitenansicht zeigt die Proportionen: Der obere Schwanzlobus misst etwa so viel wie der übrige Körper. Foto: Jun V Lao, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Beim Gemeinen Fuchshai (Alopias vulpinus) sind das in Zahlen:

  • Durchschnittliche Länge: 3 bis 4 Meter, inklusive Schwanzflosse
  • Maximale Länge: über 6 Meter; das größte dokumentierte Tier maß 7,60 Meter
  • Höchstgewicht: rund 340 Kilogramm
  • Tiefe: von der Oberfläche bis über 350 Meter

Dazu kommt eine Eigenschaft, die Fuchshaie mit den übrigen Makrelenhaien teilen: Sie halten ihre Körpertemperatur über der des umgebenden Wassers. Diese Teilwarmblütigkeit hält die Schwimmmuskulatur auch in kühlem Wasser leistungsfähig — die Voraussetzung dafür, dass der Schlag überhaupt die nötige Geschwindigkeit erreicht.

Drei Fuchshai-Arten leben in den Weltmeeren

Die Gattung Alopias umfasst drei beschriebene Arten. Genetische Untersuchungen deuten auf eine mögliche vierte, bislang unbeschriebene Art hin:

  • Gemeiner Fuchshai (Alopias vulpinus) — die größte und am weitesten verbreitete Art, auch in europäischen Gewässern
  • Pazifischer Fuchshai (Alopias pelagicus) — kleiner, im Indopazifik zu Hause, der klassische Tauchbegleiter auf den Philippinen
  • Großaugen-Fuchshai (Alopias superciliosus) — erkennbar an den auffällig großen, nach oben gerichteten Augen für die Jagd in dunkleren Tiefen

Fuchshaie im Mittelmeer und in der Nordsee

Der Gemeine Fuchshai lebt weltweit in tropischen und gemäßigten Breiten, sowohl küstennah als auch im offenen Ozean. Im Mittelmeer kommt er ganzjährig vor, wenn auch in geringerer Dichte als im angrenzenden Atlantik.

Im Sommer folgt er den Schwarmfischen nach Norden. So erreicht er regelmäßig die Nordsee und das Skagerrak. Sichtungen bleiben selten, sorgen aber verlässlich für Schlagzeilen — im Sommer 2019 etwa ein springender Fuchshai zwischen Borkum und Helgoland.

Für Menschen ist der Fuchshai ungefährlich

Trotz seiner Größe gilt der Fuchshai als harmlos. Ein Angriff auf einen Taucher oder Schwimmer ist bis heute nicht dokumentiert. Bekannt sind lediglich vier Vorfälle, bei denen Fuchshaie Boote rammten.

Das hat zwei einfache Gründe. Zum einen ist sein Maul für einen Hai dieser Größe klein, seine Nahrung besteht zu rund 97 Prozent aus Schwarmfischen wie Heringen, Makrelen und Sardinen. Zum anderen ist er ausgesprochen scheu und weicht Tauchern meist aus, bevor diese ihn überhaupt bemerken. Mit den Arten aus unserer Übersicht der gefährlichsten Haie der Welt hat er wenig gemein.

Der Bestand ist um bis zu 49 Prozent geschrumpft

Die IUCN führt den Gemeinen Fuchshai als gefährdet („vulnerable“). Über die vergangenen drei Generationen schätzen Fachleute den weltweiten Bestandsrückgang auf 30 bis 49 Prozent. Im Nordatlantik sinken die Zahlen weiter, im östlichen Nordpazifik nehmen sie dagegen wieder zu.

Der Hauptgrund ist die Fischerei: Fuchshaie geraten als Beifang in Langleinen und Treibnetze, ihr Fleisch und ihre Flossen sind gefragt. Erschwerend kommt ihre langsame Vermehrung hinzu. Nach rund neun Monaten Tragzeit bringt ein Weibchen nur ein bis sechs Jungtiere zur Welt, die dafür mit 1,1 bis 1,6 Metern bereits sehr groß sind. Nachgewiesen sind Tiere von 24 Jahren, einzelne Untersuchungen deuten auf deutlich höhere Alter hin. Ein solcher Bestand erholt sich nur über Jahrzehnte — dasselbe Muster zeigt der Dornhai in europäischen Gewässern.

Häufige Fragen zum Fuchshai

Wie jagen Fuchshaie?

Sie treiben Schwarmfische zusammen, bremsen abrupt ab und schlagen mit dem überlangen oberen Teil der Schwanzflosse über den eigenen Kopf hinweg in den Schwarm. Die betäubten oder getöteten Fische sammeln sie anschließend ein. Im Schnitt kommen so 3,6 Fische pro erfolgreichem Schlag zusammen.

Wie groß werden Fuchshaie?

Der Gemeine Fuchshai wird meist 3 bis 4 Meter lang und kann über 6 Meter erreichen. Das größte dokumentierte Exemplar maß 7,60 Meter bei einem Gewicht von rund 340 Kilogramm. Etwa die Hälfte dieser Länge entfällt allein auf die Schwanzflosse.

Ist der Fuchshai gefährlich?

Nein. Es gibt keinen einzigen dokumentierten Angriff auf einen Menschen im Wasser. Sein Maul ist klein, er ernährt sich fast ausschließlich von Schwarmfischen und meidet Taucher.

Warum springen Fuchshaie aus dem Wasser?

Für dieses Verhalten gibt es mehrere Erklärungen: Beim Aufprall auf die Wasseroberfläche lösen sich festsitzende Hautparasiten. Zusätzlich könnten die Sprünge der Beutejagd oder der Verständigung mit Artgenossen dienen. Eindeutig geklärt ist die Frage nicht.

Warum heißt der Fuchshai so?

Der Gattungsname Alopias geht auf das griechische „alopex“ für Fuchs zurück, das lateinische vulpinus bedeutet „fuchsartig“. Gemeint ist die listige Jagdweise. Der zweite gebräuchliche Name Drescherhai beschreibt dagegen die Bewegung selbst: Der Schwanz drischt wie ein Flegel in den Fischschwarm.

Wo kann man Fuchshaie sehen?

Der verlässlichste Ort weltweit liegt vor der philippinischen Insel Malapascua. Dort steigen Pazifische Fuchshaie im Morgengrauen an flache Unterwasserberge auf, um sich von Putzerlippfischen Parasiten entfernen zu lassen. Tauchgänge starten dafür meist zwischen 5:30 und 6:30 Uhr.

Fazit

Der Fuchshai ist ein Sonderfall unter den Haien: ein Jäger, dessen wichtigste Waffe nicht das Gebiss ist, sondern eine Schwanzflosse, die er mit bis zu 80 km/h wie eine Peitsche einsetzt. Für Menschen ist er dabei völlig ungefährlich — die größere Gefahr geht in diesem Fall eindeutig vom Menschen aus.