Blauhai: Der meistgefangene Hai der Welt

Blauhai: Der meistgefangene Hai der Welt

Der Blauhai (Prionace glauca) ist der am häufigsten gefangene Hai der Welt: Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr 10 bis 20 Millionen Blauhaie – die meisten davon als Beifang in der Langleinenfischerei auf Thunfisch und Schwertfisch. Keine andere Haiart wird in dieser Größenordnung aus dem Meer geholt. Dabei ist der Blauhai für Menschen kaum eine Gefahr: Er lebt weit draußen auf hoher See und ist in den Statistiken über Haiangriffe eine Randnotiz. In diesem Artikel erfährst Du, wie groß der Blauhai wird, wo er vorkommt, wie gefährlich er wirklich ist – und warum ausgerechnet der häufigste Hochseehai der Welt inzwischen als bedroht gilt.

Warum der Blauhai der meistgefangene Hai der Welt ist

Die Ursache ist eine unglückliche geografische Überschneidung: Das Verbreitungsgebiet des Blauhais deckt sich zu etwa 60 Prozent mit den großen Thunfischfanggebieten. Wo Langleinen mit tausenden Haken ausgebracht werden, schwimmt fast zwangsläufig auch ein Blauhai. Er gilt offiziell als Beifang – wirtschaftlich wertlos ist er jedoch nicht, denn seine Flossen und zunehmend auch sein Fleisch werden vermarktet. Der Anreiz, ihn wieder freizulassen, ist deshalb gering.

Die Folgen zeigen sich in den Beständen. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt den Blauhai weltweit als „potenziell gefährdet“ (Near Threatened). Regional sieht es deutlich schlechter aus: Im Nordatlantik gilt er als „stark gefährdet“ (Endangered), im Mittelmeer sogar als „vom Aussterben bedroht“ (Critically Endangered). Anders als acht andere Haiarten genießt der Blauhai international bis heute keinen vergleichbar strengen Schutz – ein Widerspruch, den Meeresschutzorganisationen seit Jahren kritisieren.

Wie groß wird der Blauhai?

Ausgewachsene Blauhaie erreichen typischerweise rund 3,40 Meter. Das längste zuverlässig vermessene Exemplar brachte es auf 3,83 Meter; unbestätigte Berichte sprechen von Tieren über 4,5 Meter. Für seine Länge ist der Blauhai auffallend leicht gebaut – das höchste dokumentierte Gewicht lag bei knapp 206 Kilogramm. Zum Vergleich: Ein Weißer Hai ähnlicher Länge wiegt ein Vielfaches davon.

Woran man einen Blauhai erkennt

Der Blauhai ist eine der am leichtesten zu bestimmenden Haiarten überhaupt. Seine Merkmale:

  • Färbung: leuchtend indigoblauer Rücken, der zu den Flanken hin aufhellt, scharf abgesetzter weißer Bauch
  • Brustflossen: extrem lang und sichelförmig, fast wie Flügel – das auffälligste Merkmal
  • Körperbau: sehr schlank und langgestreckt
  • Kopf: lange, spitz zulaufende Schnauze und große, dunkle Augen

Die langen Brustflossen sind kein Zierrat, sondern Bauprinzip: Sie wirken wie Tragflächen und erlauben es dem Blauhai, mit minimalem Kraftaufwand durch den offenen Ozean zu gleiten. Genau das braucht ein Tier, das jährlich tausende Kilometer zurücklegt.

Nahaufnahme vom Kopf eines Blauhais mit langer spitzer Schnauze und großem Auge
Die lange, spitz zulaufende Schnauze und das große dunkle Auge sind typisch für den Blauhai. Foto: Ben Phillips / Pexels

Wo lebt der Blauhai? Vorkommen und Wanderungen

Der Blauhai ist ein Kosmopolit: Er kommt in allen tropischen und gemäßigten Meeren der Erde vor und gehört damit zu den am weitesten verbreiteten Haien überhaupt. Sein Lebensraum ist die Hochsee, nicht die Küste. Bevorzugt hält er sich in vergleichsweise kühlem Wasser zwischen 7 und 15 Grad Celsius auf, nur ausnahmsweise steigt er in wärmere Bereiche bis etwa 21 Grad. Tauchgänge führen ihn regelmäßig in Tiefen um 350 Meter.

Beeindruckend sind seine Wanderungen. Blauhaie folgen ihrer Beute über ganze Ozeanbecken hinweg. Die längste dokumentierte Wanderung eines einzelnen Tieres führte über etwa 12.000 Kilometer – von Neuseeland bis in chilenische Gewässer. Im Atlantik beschreiben Blauhaie zudem eine großräumige Rundwanderung im Uhrzeigersinn, die sie mit dem Golfstrom nach Norden und im Herbst wieder in die Tropen führt. Markierte Tiere aus US-Gewässern wurden später vor Spanien wiedergefangen, vor den Kanaren markierte Haie tauchten bei Kuba auf.

Blauhai im Mittelmeer, in der Adria und vor Kroatien

Der Blauhai ist die häufigste große Haiart im Mittelmeer – oder war es zumindest. Vor Istrien und Dalmatien wird er gelegentlich von Fischern beobachtet, und die Adria dient der Art als Kinderstube, in der Jungtiere aufwachsen. Früher war er hier deutlich häufiger. Heute gilt die Mittelmeer-Population als vom Aussterben bedroht; in kroatischen Gewässern steht der Blauhai unter strengem Schutz. Für Badegäste ist er kein Thema: Er meidet flaches Küstenwasser. Welche Arten Dir im Mittelmeer tatsächlich begegnen können, liest Du im Überblick zu den Haien im Mittelmeer.

Blauhai in Nordsee und Ostsee

Auf seiner Sommerwanderung erreicht der Blauhai die britischen Inseln – und verirrt sich dabei gelegentlich in die Nordsee. Ein Einzeltier wurde beispielsweise tot am Strand von Sylt gefunden. Zu den regelmäßig nachgewiesenen Arten gehört er hier aber nicht: Die Haie in der Nordsee sind überwiegend kleinere, bodennah lebende Arten wie Dornhai und Katzenhai. In der Ostsee ist der Blauhai praktisch nie anzutreffen – das Brackwasser ist ihm zu salzarm und zu flach.

Ist der Blauhai gefährlich für Menschen?

Der Blauhai zählt formal zu den potenziell gefährlichen Haiarten – er ist groß, neugierig und besitzt ein kräftiges Gebiss. In der Praxis sind Zwischenfälle jedoch außerordentlich selten. Das International Shark Attack File schreibt dem Blauhai über den gesamten erfassten Zeitraum seit 1580 lediglich 13 unprovozierte Angriffe zu. Zum Vergleich: Beim Weißen Hai liegt diese Zahl im dreistelligen Bereich.

Der Grund ist schlicht sein Lebensraum. Wer im Meer badet, begegnet keinem Blauhai – er hält sich weit draußen auf offener See auf. Betroffen sind fast ausschließlich Taucher, Speerfischer und Schiffbrüchige. Gegenüber Tauchern verhält er sich typischerweise vorsichtig-neugierig: Er nähert sich in immer engeren Kreisen, statt direkt anzugreifen. Wer Blauhaie gezielt beobachten will – etwa vor den Azoren –, taucht deshalb in der Regel ohne Zwischenfälle.

Kann man Blauhai essen?

Technisch ja – empfehlenswert ist es nicht. Blauhaifleisch enthält viel Harnstoff und entwickelt nach dem Fang schnell einen strengen Ammoniakgeruch; kulinarisch gilt es als minderwertig. Dazu kommt die Schadstoffbelastung: Als langlebiger Räuber am Ende der Nahrungskette reichert der Blauhai Quecksilber und andere Schwermetalle im Gewebe an. Und schließlich das Bestandsargument – Haifleisch, das in Deutschland als „Schillerlocke“, „Seeaal“ oder schlicht „Hai“ verkauft wird, stammt oft von Arten, die in ihren Beständen längst unter Druck stehen. Beim Blauhai ist das im Mittelmeer und Nordatlantik nachweislich der Fall.

Häufige Fragen zum Blauhai

Wie groß werden Blauhaie?

Typischerweise etwa 3,40 Meter. Das längste sicher vermessene Tier war 3,83 Meter lang, das schwerste wog knapp 206 Kilogramm. Geschlechtsreif werden Blauhaie mit vier bis fünf Jahren bei rund 2,20 Metern.

Wie schnell ist ein Blauhai?

Auf seinen Wanderungen schwimmt der Blauhai sehr gemächlich mit nur wenigen Kilometern pro Stunde – das spart Energie. In kurzen Angriffssprints werden ihm rund 40 km/h zugeschrieben. Damit bleibt er weit hinter dem Makohai zurück, dem schnellsten Hai der Welt.

Was fressen Blauhaie?

Vor allem Tintenfische und Schwarmfische wie Heringe, Makrelen und Sardinen. Dazu kommen kleinere Haie und Fischereiabfälle. Tintenfischschwärme frisst der Blauhai mit weit aufgerissenem Maul regelrecht ab.

Wie alt werden Blauhaie?

Das älteste dokumentierte Tier war rund 20 Jahre alt. Damit ist der Blauhai deutlich kurzlebiger als viele andere Haie – ein Grund, warum sich seine Bestände zumindest theoretisch schneller erholen könnten als die langsam wachsender Arten.

Wie viele Blauhaie gibt es noch?

Eine belastbare Gesamtzahl gibt es nicht – Hochseehaie lassen sich nicht zählen. Sicher ist: Der Blauhai ist nach wie vor einer der häufigsten Hochseehaie überhaupt, verliert aber jährlich 10 bis 20 Millionen Tiere an die Fischerei. Im Nordatlantik und im Mittelmeer sind die Bestände bereits stark eingebrochen.

Wie viele Junge bekommt ein Blauhai?

Blauhaie sind lebendgebärend. Nach einer Tragzeit von 9 bis 12 Monaten kommen je nach Größe des Weibchens 4 bis über 60 Jungtiere zur Welt, die bei der Geburt etwa 50 Zentimeter messen. Diese hohe Nachwuchsrate ist unter Haien ungewöhnlich – und der wichtigste Grund, warum die Art trotz massiver Befischung noch nicht zusammengebrochen ist.

Fazit

Der Blauhai ist ein Paradox: elegant, weit verbreitet, für Menschen nahezu ungefährlich – und trotzdem der am härtesten befischte Hai der Welt. Seine Stärke, die enorme Nachwuchsrate, hat ihn bisher davor bewahrt, das Schicksal anderer überfischter Arten zu teilen. Im Nordatlantik und im Mittelmeer reicht sie längst nicht mehr aus. Wer dem Blauhai helfen will, hat einen erstaunlich direkten Hebel: kein Haifleisch kaufen – auch nicht, wenn es „Schillerlocke“ heißt.